Familie erbt den Himmel

Wie gelingt es, ein guter Christ zu sein? Mit dieser Frage hat sich Christa Rau ihr Leben lang ausgiebig beschäftigt. Und verschiedene Antworten darauf gefunden. Auch in ihrem zweiten Roman, den die Pfarrfrau und Mutter von fünf Kindern jetzt veröffentlicht hat, spielt das Thema eine wichtige Rolle. 

In Christa Raus Roman wird der Himmel vererbt.

An ihren ersten Kontakt mit der Welt der Bücher kann sich Christa Rau noch ganz genau erinnern. Als sie die erste Klasse besuchte, nahm ihr Vater sie mit in die örtliche Bibliothek. „Ein unvergessliches Erlebnis“, sagt sie. Noch immer erinnert sie sich an die viereckige Bücherkiste, in der sie als kleines Mädchen wühlte, an den Geruch nach Papier und die Begeisterung darüber, ihre ersten drei Bilderbücher ausleihen zu dürfen. „Ich war als Kind viel allein und dadurch hat sich mir eine neue Welt eröffnet“, sagt sie.

Die Freude am Lesen, an der Sprache und am Schreiben hat sich durch das Leben der quirligen Pfarrersfrau gezogen. Egal ob in der Pubertät, beim Tagebuch- oder Gedichteschreiben, beim Theologie-Studium in Tübingen oder bei den ersten Begegnungen mit ihrem Mann, die von intensivem Briefaustausch geprägt waren.

Richtig geklappt mit dem professionellen Schreiben hat es bei der gebürtigen Neuensteinerin jedoch erst später. Und das zu einer Zeit, in der es in ihrer Familie drunter und drüber ging. „Ich war mit dem vierten Kind schwanger, mein Mann war damals krank und ich stand kurz vor dem Burnout“, erinnert sie sich.

Die angespannte Lage war ausschlaggebend dafür, dass sich Christa Rau an ihren ersten Roman heranwagte. „Ich wollte unbedingt etwas für mich machen und habe einfach losgelegt“, sagt sie. Mit Stift und Ringbuch ausgerüstet saß sie im Korbstuhl auf dem Flur, neben dem Telefon. „Dort hatte ich einigermaßen Ruhe.“ Eine Stunde Zeit konnte sie sich dafür pro Woche freiräumen, sechs Jahre arbeitete sie an der Geschichte. Unter dem Titel „Sommerglut“ wurde der Roman, der im Hohenlohischen spielt, 2002 im Hänssler Verlag veröffentlicht.

Die Auszeiten tun gut

Die kleinen Auszeiten vom trubeligen Alltag tun der 52-Jährigen gut. „Schrei­ben ist für mich wie Meditation. Ich kann mich darin völlig verlieren und total abschalten“, sagt sie. Das gilt auch für ihr neuestes Buch, das jetzt im Brunnen Verlag unter dem Titel „Himmel vererben“ erschienen ist. Obwohl Christa Rau sich mit der Vermarktung des Romans zurückhielt, schnellten die Verkaufszahlen innerhalb kurzer Zeit nach oben. „Viele sagten mir, dass sie nur mal reinlesen wollten, es aber nicht mehr aus der Hand legen konnten“, erzählt die Pfarrfrau, die in dem Buch ihre persönlichen Erfahrungen mit Familien- und Gemeindeleben verarbeitet hat.

Der Roman erzählt davon, wie das Leben einer dreiköpfigen Familie durch eine unerwartete Erbschaft durcheinandergerüttelt wird. Denn diese ist an eine besondere Bedingung geknüpft: Sie müssen als Gegenleistung versuchen, ein Jahr lang wie richtige Christen zu leben. Das führt nicht nur zu vielen Turbulenzen, sondern wirft auch grundsätzliche Fragen auf: Was bedeutet Glück? Kann Geld zur Belastung werden? Was bedeutet es, ein guter Christ zu sein?

Vor allem mit letzterer Frage hat sich  die Autorin schon oft und ausführlich auseinandergesetzt. „Das ist sozusagen mein Lebensthema“, sagt sie und lacht. Sie erzählt von ihren ersten Erfahrungen als junges Mädchen bei einer Zelt-Evangelisation. Und dass sie der festen Überzeugung war, nur dann in den Himmel zu kommen, wenn sie täglich beten und in der Bibel lesen würde.

Heute sieht sie es weniger dogmatisch. Das Bild, das von Gott gezeichnet werde, sei oft ein viel zu negatives, sagt sie. „Für mich ist Gott mein bester Freund, jemand, der für mich sorgt und mich beschenken möchte.“ Eine intensive Verbindung zu ihm ist für sie daher grundlegend. „Gott ist mittendrin“, sagt sie und verweist auf das rege Gemeindeleben in Sersheim, das sie mit viel Freude mitgestaltet. „Ich bin gerne Pfarrfrau und sehe es als meine Aufgabe, die Menschen zu ermutigen und mit ihnen zu beten.“

Nebenbei arbeitet sie bereits an einem weiteren Roman: Es geht um eine Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Rumänin, zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Christa Rau ist selbst gespannt, „was daraus wird“. Und hat festgestellt, dass sich ihr Schreibstil im Laufe der Jahre verändert hat. „Früher habe ich viel blumiger geschrieben, heute mag ich es schlichter.“
Ein Anspruch ist bei ihr jedoch geblieben: „Ein Buch muss durchweg spannend zu lesen sein. Und es müssen Lösungen präsentiert werden, damit der Leser zufrieden ist. Man will ja schließlich Erfolgserlebnisse.“

Buch-Tipp

Christa Rau: Himmel zu vererben. Brunnen Verlag,
Gießen 2016, 384 Seiten, 16,99 Euro. ISBN: 978-3-7655-2047-1

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