Strenge - heute wichtiger denn je?

Jeder kennt die Situation: Laute Kinder im Restaurant, die mit den Schuhen auf den Stühlen stehen. Mütter, die während eines Gesprächs mit Freunden ständig von ihren Sprösslingen unterbrochen werden oder quengelnder Nachwuchs an der Kasse des Supermarktes. Viele fragen sich, ob die Eltern nicht streng genug waren. Müssen wir das wieder lernen?

Da geht es lang! Strenge oder Konsequenz hilft. Foto:Petra-Bork_pixelio


Beobachtet man die Eltern bewusst, stellt man schnell fest, dass viele keine festen Vorgaben mehr geben. Aber Kinder brauchen Klarheit, Halt und Grenzen. Regeln setzen ist nicht veraltet. Im Gegenteil: Orientierungslosigkeit ist eine Folge von Inkonsequenz.

Konsequent sein ist anstrengend! Immer wieder Regeln aufstellen, Grenzen setzen, tausendmal die gleichen Dinge erklären und auch mal „nein“ sagen und das nach einem anstrengenden Arbeitstag. Da gibt man schnell mal nach.

Verunsicherte Erziehungsberechtigte fragen sich häufig, welcher Erziehungsstil denn nun der Richtige ist. Erst einmal: eine richtige oder falsche Erziehung gibt es nicht. Von Natur aus hat jeder Mensch das Bedürfnis, nur das Beste für seine Kinder zu wollen und das Verlangen es zu beschützen. Darum gelingt auch vieles von ganz allein, sozusagen aus dem Bauch heraus.

Der Erziehungsstil der Großeltern

Zurück zu dem autoritären Erziehungsstil unserer Großeltern; das will wohl kaum einer. Zu hohe Erwartungen, Strenge, viele Regeln, Bestrafung und Belohnung sind Kennzeichen dieses Stils, der oft Aggressionen, mangelndes Selbstwertgefühl und Unselbstständigkeit zur Folge hatte.

Der in den siebziger Jahren aufkommende antiautoritäre Stil scheint aber auch nicht die richtige Lösung zu sein. Hauptprinzip dieser Pädagogik ist, dass sich das Kind frei entfalten darf und keinerlei Grenzen gesetzt bekommt. Rücksicht auf andere zu nehmen fällt den Kindern schwer, denn es denkt häufig nur an seine eigenen Bedürfnisse.

Die demokratische Erziehung

Die demokratische Erziehung gilt als die, die wohl am Besten zu einer positiven Entwicklung der Kinder beisteuert. Eltern bringen ihren Kindern viel Einfühlungsvermögen und Wärme entgegen, unterstützen sie emotional und bauen eine sehr vertrauensvolle Beziehung auf. Im Gegenzug bringen die Kinder Wertschätzung und Verständnis für die Eltern auf.

In der Presse, im Internet und in der Fachliteratur kann man viele Tipps erhalten. Jedoch gehen die Meinungen weit auseinander. Der Jugendpsychologe Wolfgang Bergmann warnt davor zum altdeutschen Gehorsam zurückzukehren. Er setzt dagegen auf Gelassenheit und Liebe und gibt Tipps zum Gelingen anhand von 15 Situationen in seinem Buch. „Ich sage dabei nicht, dass es keine Konflikte gibt. Eltern sollen ruhig auch mal auf den Tisch hauen dürfen, aber daraus darf kein Prinzip gemacht werden.“ erklärte er in einem Interview.

Eine Grundvoraussetzung bei der Erziehung des Kindes ist also Liebe und Vertrauen. Außerdem sollten Eltern die Persönlichkeit des Kindes beachten, sich Zeit nehmen und Respekt vor den kleinen Mitmenschen zeigen.

Bei wichtigen Dingen ist es dennoch angebracht, streng zu sein, bei unwichtigen kann man sich ruhig großzügig geben. Wenn sich zum Beispiel das Kind im Auto nicht anschnallen lassen will, gibt es keine Alternative. Die Eltern sollten ihrem Sprössling erklären warum dieser Gurt so lebenswichtig ist und auch erst losfahren, wenn sich das Kind angeschnallt hat. Ob ein Kind Punkt acht ins Bett geht oder noch das Buch zu Ende liest oder das Spiel beendet, kann individuell gehandhabt werden.

Eltern haben die Verantwortung. Foto: Torsten-Bogdenand_pixelio


Eltern müssen den kleinen Sprösslingen nicht extra etwas kochen, sollten sie aber auch nicht zwingen, etwas zu essen, was ihnen nicht schmeckt. Eva S. erzählt: „Ich habe meine Kinder immer dazu aufgefordert alles zu probieren. Hat es ihnen nicht geschmeckt, mussten sie es nicht essen. Vieles, was sie nicht mochten, ist später zu ihrer Leibspeise geworden.“

Vielleicht sind es nur die scheinbar kleinen Dinge, die manch ein Erziehungsberechtigter vergessen hat seinen Nachkömmlingen nahe zu bringen: Grüßen, bitte und danke sagen, Respekt  gegenüber Menschen, Tieren und Pflanzen haben.

Eine gewisse Gelassenheit schadet also nicht. Bei allem sollte man sich das Zitat vom griechischen Philosoph Sokrates (470-399 v.Chr.) vor Augen halten: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

 

 

Mehr Informationen

Luthers Familienzeit über "Strenge" unter "Zeit für Kinder"

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