Terror-Angst: Erst zuhören, dann reden

Was Kinder gerade in Fernsehen und Zeitungen zu hören und zu lesen bekommen, macht ihnen Angst. Wie soll man mit Kindern über das Attentat in Berlin sprechen? Das Notfallpädagogische Institut Essen und das Kriseninterventionsteam München haben Hinweise für Eltern.

Das Unfassbare erträglich machen, indem man sich an den Händen fasst. Foto: Grace Winter_pixelio.de

Über Anschläge und Attentate  wird sehr ausführlich berichtet. Bilder und Filmaufnahmen von verletzten, weinenden oder besorgten Menschen sowie groß gedruckte Überschriften mit Worten wie „Anschlag“ und „Terror“ erreichen auch viele Kinder. Eltern stehen deshalb vor einer schwierigen Herausforderung: Wie sollen sie mit ihren Kindern über das Geschehene sprechen? Und welcher Umgang mit der aktuellen Medienberichterstattung ist angebracht?


Sicherheitsgefühl vermitteln: Verdeutlichen Sie Ihren Kindern, dass die Schießerei oder die Angriffe  beendet worden sind und im Augenblick keine akute Gefahr mehr droht. Erklären Sie, dass die Polizei alles getan hat, damit die Täter rasch gefasst werden und dafür arbeitet, dass so etwas nicht noch einmal geschieht. Wenn Kinder fragen, ob solche Ereignisse auch woanders in Deutschland möglich sind, sollten sie jedoch wahrheitsgemäß antworten, dass man dies niemals ganz ausschließen kann.

Sprechen und Zuhören: Zeigen Sie sich gesprächsbereit und hören Sie aufmerksam zu, wenn Ihre Kinder über das Geschehene reden! Beantworten Sie Fragen offen und ehrlich. Drängen Sie Ihren Kindern aber keine Gespräche über die Gewalttat auf.

Sachlich informieren: Vermitteln Sie die zur Verfügung stehenden Informationen stets so sachlich wie möglich. Bagatellisieren Sie das Geschehene nicht, aber dramatisieren Sie es auch nicht zusätzlich: Versuchen Sie einerseits nicht, das Geschehene „klein zu reden“ oder „herunterzuspielen“, um Ihre Kinder vermeintlich zu schützen. Äußern Sie andererseits aber auch nichts, was zusätzliche Ängste auslösen könnte. Spekulationen über etwaige Folgen der Schießerei und weitere befürchtete Gewaltakte sind Kindern gegenüber unangebracht.

Auf Hilfe hinweisen: Machen Sie deutlich, dass und wie den betroffenen Menschen geholfen wird. Weisen Sie darauf hin, dass die Verletzten in Krankenhäusern und dort „in guten Händen“ sind. Sprechen Sie darüber, wie Menschen sich gegenseitig trösten und für Unterstützung sorgen können. Lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Kinder auch auf positive Aspekte, etwa darauf, dass viele Menschen in Sicherheit gebracht werden konnten und die Polizei sehr rasch vor Ort gewesen ist.

Eigene Betroffenheit verständlich machen: Verheimlichen Sie Ihre eigene Betroffenheit nicht. Kinder spüren rasch, wenn Ihnen etwas vorenthalten wird und fühlen sich unter Umständen betrogen oder ausgegrenzt. Erklären Sie, warum Sie auch selbst besorgt oder traurig sind, damit Kinder Ihr Verhalten angemessen einordnen können.

Kinder brauchen Trost. Foto: Günter-Havlena_pixelio.de


Medienberichte auswählen und dosieren: Kinder von sämtlichen Medienberichten pauschal fern zu halten, ist sicherlich nicht sinnvoll. Lassen Sie Ihre Kinder mit den Medienberichten jedoch keinesfalls allein. Schauen Sie einzelne Meldungen, insbesondere spezielle Kindernachrichten  gemeinsam an. Zudem sollte der Medienkonsum begrenzt werden: Ständige Wiederholungen von schrecklichen Bildern und Videos, insbesondere auch im Internet, können zusätzlich belasten. Schützen Sie Ihre Kinder vor Medienberichten, wenn sie darauf besonders ängstlich reagieren.

Weitere Informationen einholen: Ältere Kinder möchten unter Umständen mehr über die Situation vor Ort, die Hintergründe von Gewaltakten, Terrorismus, Sicherheitskonzepte oder Rettungsmaßnahmen erfahren. Wenn ein solches Interesse vorhanden ist, können Sie gemeinsam recherchieren. Nutzen Sie ausschließlich seriöse Informationsquellen. Diese können Polizeibehörden, Hilfsorganisationen oder auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (www.bbk.bund.de) sein.

Eigene Aktivität ermöglichen: Überlegen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern, ob es etwas gibt, was sie selbst tun könnten. Kinder könnten symbolisch eine Kerze anzünden, für die Betroffenen beten oder in einem Brief aufschreiben, was sie den Betroffenen gerne mitteilen würden.

Mögliche Reaktionen beachten: Kinder, die von einem Gewaltakt erfahren haben, können unterschiedliche Reaktionen zeigen. Dazu gehören Konzentrationsschwierigkeiten, Alpträume, Ängstlichkeit oder Gereiztheit. Manche Kinder bringen ihre Befindlichkeit auch in Zeichnungen oder in ihren Spielen zum Ausdruck. Solche Reaktionen sind zunächst normal, zeigen Sie Verständnis dafür. In den meisten Fällen klingen diese Reaktionen nach kurzer Zeit wieder ab. Wenn sie jedoch sehr stark ausgeprägt sein sollten oder mehrere Wochen anhalten, sollten Sie sich an einen Experten (Kinderarzt, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut) wenden. Manchmal kann eine professionelle Unterstützung bei der Bewältigung des Erlebten notwendig sein. Scheuen Sie sich dann nicht, diese in Anspruch zu nehmen! Auch wenn Sie selbst sehr verunsichert sind und weitere Fragen zum Umgang mit Ihren Kindern haben, sollten Sie fachlichen Rat einholen.¦

Dieses Tipps wurden erstellt von Prof. Dr. Harald Karutz und Peter Zehentner. Mehr im Internet: www.notfallpaedagogik.de; www.peter-zehentner.de; www.kit-muenchen.de

 

Wie spricht man mit Kindern über Terror?


Gemeinsam mit Peter Zehentner, dem Leiter des ASB-Kriseninterventionsteams in München, hat das Notfallpädagogische Institut in Essen dieses wichtige Merkblatt bereits nach dem Amoklauf in München  aktualisiert. Diese Informationen für den psychologisch angemessenen Umgang mit Kindern, die von der aktuellen Medienberichterstattung über Amok und Terror betroffen sind, gibt es auch als kompaktes Merkblatt, das zum Download kostenlos bereit gestellt wird:

www.notfallpaedagogik.de/wie-spricht-man-mit-kindern-ueber-amok-und-terror/

Zeitpunkte

Tipps für Familien

Zeiträume

Themen für Familien